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Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein Bärenkönig,
... so fangen viele Märchen an,
so auch das, was ich Euch heute erzählen möchte
Es gab also damals einen jungen Bärenkönig, der hatte von seinen Vorfahren eine Krone geerbt. Sie war sehr schlicht und einige sagten, sie sei im vergleich zu anderen sogar unscheinbar. Das wollte der neue Bärenkönig natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Was sollten die anderen Bärenkönige von ihm denken. Außerdem liebte er edle Steine und andere schöne Dinge um sich herum. So kam er auf die Idee, sich für jeden Erfolg, den er zu verbuchen hatte, sei es, weil er wieder einmal ein Schachspiel gewonnen hatte oder auf einen hohen Berg geklettert war, einen neuen Stein in seine Krone einsetzen zu lassen. Weil er ein sehr umtriebiger und aktiver Bärenmonarch war, wurde die Krone immer schöner. Natürlich wurde der Er und damit die Krone immer populärer (oder war es vielleicht sogar schon umgekehrt?).
Jedermann, ob Bärenkaufmann oder Bärendiplomat, waren gespannt einen neuen Stein in der Krone zu entdecken und zu bewundern. Man kann ruhig sagen, dass die Krone immer schöner und wertvoller wurde, ein richtiges Schmuckstück. Doch er wusste bald nicht mehr, ob die Leute ihn und seine Erfolge, oder nur seine Krone bewunderten. Es kam, wie es kommen musste. Dadurch, dass der Bärenkönig immer nachdenklicher wurde und weil alle kostbaren Edelsteine, natürlich an der sichtbaren Vorderseite angebracht waren, rutschte die Krone immer mehr nach vorne Er hatte sehr große Mühe, diese wirklich wunderschöne Krone in der Balance zu halten.
Bei einem Staatsempfang, zu dem viele wichtige Bären aus der ganzen Welt gekommen waren, wurde zum Galadiner geladen. Gerade als ein Bärenbotschafter eine langweilige Rede hielt und der Bärenkönig lustlos in seiner Honigsuppe löffelte, rutschte die Krone durch das einseitige Gewicht nach vorn. Erst auf die Nasenspitze und dann in den Suppenteller. Peinlich, peinlich!
Weil der Bärenkönig, er hieß übrigens Alfons, der VI. nicht auf seine Krone verzichten wollte, er andererseits sich das nächste Mal nicht wieder so schlimm blamieren wollte, rief er seinen Bärenkronrat zu einer Krisensondersitzung zusammen. Ein Bärenminister meinte, man solle doch die schweren Steine durch leichtes, buntes Glas ersetzen, ein anderer meinte, er solle doch den alten Zustand wieder herstellen, denn schließlich sei dem alten Bärenkönig nie so ein Malheur passiert. Beide wurden entlassen.
Nun war guter Rat teuer. Zu guter Letzt wurde ein alter Bäremit, das ist meist ein sehr alter weiser Bär, der (fast) alles weiß, gefragt, was zu tun sei. Er zog sich lange mit dem Bärenkönig in die Bibliothek zurück, und weihte ihn in die Geheimnisse des Tarotspiels ein. Ich glaube, der Bärenkönig hat sich noch nie so lange, ausführlich und angeregt mit jemandem unterhalten.
Zunächst passierte nicht viel. Wie durch ein Wunder entstanden aber im ganzen Land auf einmal neue Bärenschulen, Altenheime für Seniorenbären. Die Bärenkrankenhäuser wurden auch wieder renoviert und waren auf einmal Schmuckstücke im ganzen Land. Was war geschehen? Für jede gute Tat unseres Bärenkönigs, die er nicht an die große Glocke hängte, ließ der Bäremit auf der Rückseite einen unscheinbaren Stein einsetzen. Dadurch kam diese herrliche Krone nun langsam wieder ins Gleichgewicht zurück. Durch seine unsichtbaren Erfolg bestärkt, verzichtete der nun erwachsen gewordene Bärenkönig, bald ganz auf seine Krone. Sie ist heute noch, wenn ich mich nicht irre, in einem kleinen Museum in Spanien zu bewundern.
Der Wahrsager El Fantadu aus Fuldatal- Rothwesten
Am Kohlhof 2, Tel.: 0179 /534 8018
hat dieses Tarot- Märchen für Euch, zum weitererzählen aufgeschrieben.