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MEDUSA > Neue Geschichten
Grunewaldgeschichten
oder ein gefährlicher Ort
Vorwort
Lieber Leser,
Sie halten hier ein Romanmanuskript der Pia Maria Lagrin, geb. Traber in den Händen. Sie erlebte als junge Artistin im Zirkus ihrer Eltern, als Seiltänzerin in der Traber- und Lagrintruppe und als bekannte Wahrsagerin "Medusa" ein Leben auf der Reise.
(Siehe auch Ihre Biographie: Lebensreise)
Obwohl sie keine durchgehende Schulausbildung hatte war sie doch eine kluge, phantasiebegabte Frau, die in ihrer Freizeit gerne Geschichten erzählte und einige davon auch aufschrieb. So z.B.: "Die Schwarze Gräfin" - "Abenteuer einer Nacht" - "Gefährliches Abenteuer" - "Die Geistergeige" oder die "Geschichten aus dem Grunewald" Leider sind im Laufe der Jahre viele ihrer Texte nur noch in Fragmente erhalten.
Diese "Geschichten aus dem Grunewald" spielen zeitlos in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg, als die Welt noch in Ordnung war. Oder vielleicht auch nicht so ganz, wie Sie später lesen werden. Sie steht ganz in der Tradition einer Hedwig Courths-Mahler oder Marlitt, die auch nach dem 1. Weltkrieg eine scheinbar verloren gegangene Unschuld der Vorkriegszeit mit Ihren Offizieren, Adeligen und Dienstboten künstlich am Leben hielten und damit Millionen Auflagen erreichten.
Mein Lektor Edzard Klapp und meine Wenigkeit, haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Schriftstellerin Pia Maria Lagrin dem geneigten Leser zum ersten Male zugänglich zu machen. Diese Geschichten wurden vorher noch nie veröffentlicht. Wir haben uns lediglich die Freiheit genommen, durch kleine Einfügungen und Kürzungen, die Geschichte geschlossener zu machen.
Ein Freund, Wolfgang Bauer,
hat zu dem Text folgenden Kommentar abgeliefert:
"Als älteres Kind fand ich bei meiner Großmutter noch solche Herzschmerzadelsschmonzetten zu Hauf vor, immer mit Bildern von Herrenhäusern und edlen Fräuleins. Es tut gut solches wieder zu lesen. Karl May hat ja in diesem Genre ja auch vielfach debütiert." Ende des W. B. Zitats.
Der Roman "Waldröschen" von Karl May - auf den W.B. anspielt - ist komplett im Internet abrufbar, einschließlich der farbigen Illustrationen der ersten Veröffentlichung: haargenau dasselbe Genre !
Wenn wir also es mit Wolfgang Bauer nicht verscherzen wollen, dürfen wir "Geschichten aus dem Grunewald" keineswegs unter den Tisch fallen lassen.
… und Edzard Klapp schreibt:
Ich habe mal ein wenig im Internet nachgeschaut und einiges über das betreffende Areal zusammengetragen. Das Haus Winklerstraße 10 ist unmittelbar an der Fußgängerbrücke "Hasensprung" zwischen Koenigssee und Dianasee. Ich kannte das Haus persönlich, weil dort ein angeheirateter Vetter, Amtsgerichtsrat in Berlin-Schöneberg, gewohnt hat. Deshalb war mir die Szenerie in Pias Erzählung einigermaßen vorstellbar.
Damit der Leser sich ein privates "Schloß" im Berliner Bezirk Grunewald vorzustellen vermag, wolle man sich vor Augen halten, daß dort ausgehend von einer durch Otto Bismarck befürworteten Initiative in den Jahren nach 1889 durch Verkauf staatlicher Forstflächen an ein Bankierskonsortium eine Reihe größerer Baugrundstücke zur Bebauung mit Villen geschaffen worden war.
Um den im Verlauf einer glazialen Rinne bestehenden morastigen Charakter des Geländes zu verschönern, wurden mehrere künstliche Seen (unter anderem der "Dianasee") angelegt und mittels artesischer Brunnen geflutet. Einige dieser Gebäude stehen heute noch, so etwa das Haus Winklerstraße 10, das man durchaus als "Schloß" bezeichnen darf - insofern, als manche Schlösser in deutschen Landen weitaus bescheidenere Ausmaße aufweisen.
Die Baugrundstücke im derart umgewidmeten Grunewald maßen bis zu 8 Hektar (!). Das Haus Winklerstraße 10 diente in den Jahren 1945 bis 1954 der britischen Besatzungsmacht. Wer unter den einschlägigen Stichwörtern "Grunewalder Seenkette", "Dianasee", "Winklerstraße 10" nebst Verweisen im Internet nachschaut, der kann sich weiteren Aufschluß verschaffen. Die Koenigs-Allee verdankt ihren Namen dem Bankier Felix Koenigs (1846 - 1900), sie hat 1922 als Tatort des Mordes an Walter Rathenau traurige Berühmtheit erlangt.
Wie Maria Pia die Gerichtsszenen meistert, übertrifft sie spielend jeden Groschenroman, auch merkt man ihr an, daß sie vom wirklichen Gerichtswesen keine Ahnung hat. Doch das ist ihr nicht zum Vorwurf zu machen : In unseren im Fernsehen gebotenen Unterhaltungskrimis werden vom untersuchenden Kommissar regelmäßig alle möglichen Tatverdächtigen gegen Schluß und Ende zu einer Art Plauschrunde zusammen gebracht und mit einem neckischen Rundum-Frage-und-Antwort-Spiel die Fäden entwirrt. Kein Zuschauer wird ernsthaft annehmen, daß brauchbare kriminalistische Arbeit so abläuft. Und doch ist es unterhaltsam. Wir wollen also an Maria Pia's Text keine überhöhten Anforderungen stellen.
Ihrer Unkenntnis ist es auch zu verdanken, daß sie ausgerechnet eine Duell-Pistole zur Mordwaffe erkürt. "Richtig gute" Duell-Pistolen waren aber so gearbeitet, daß man damit niemanden echt zu erschießen vermochte : sie hatten eine zur Mündung hin erweiterte Laufbohrung, so daß das Geschoß man gerade eben den Lauf verlassen konnte, um etwa einen Meter vor dem Schützen kraftlos in den Sand zu purzeln. Das war ja auch der Sinn "ehrlicher" Duelle : man schoß in gespielter Verletzungsabsicht aufeinander, um sich hinterher wieder vertragen zu können. Daß ein ohne jegliche Verletzung verlaufenes Duell eine jahrelange beiderseitige Verbitterung zur Folge gehabt hätte, wäre in überzeugt adligen Kreisen schlicht unvorstellbar gewesen. Auch insoweit unterliegt Maria Pia (leider) einer Fehleinschätzung der Verhältnisse.
Ich kann Dir auf Wunsch eine einschlägige Stelle aus dem Briefwechsel des Wilhelm von Humboldt (Bruders des berühmteren Alexander v. H) mit seiner Frau nachweisen.
Ich habe mir die Freiheit genommen, auch Partien, die von Maria Pia gestrichen worden waren, mit einzubeziehen. Dies gilt beispielsweise für den Absatz nach dem Verlassen des Gerichtsgebäudes. Irgendwie sollte man das im Falle der Beibehaltung in einer Fußnote noch anmerken. Ich hebe jene Stelle durch Einrücken hervor. Der Satz " Graf Herbert von Schlettow und Graf Albert von Wilbach reichten sich, noch ein wenig benommen, stumm die Hände. … " ist obendrein eine dreiste Einfügung von meiner Hand.
Nun wünsche ich Dir erst mal eine hoffentlich zufriedene Lektüre des vorerst abschließenden Teils der ebenso lebensfremden wie unterhaltsamen gar schröcklichen Grunewald- Liebesgeschichte.
Der Gassenhauer "Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion" geht übrigens unmittelbar zurück auf die Abholzungsaktionen anläßlich der Vorbereitung des Geländes für Millionärsvillen ("Schlösser") im Bereich der Koenigs-Allee um 1889 folgende. In der Bevölkerung sah man das mit einem gewissen Groll "auf die da oben".
Heute ist man natürlich froh um den Bestand vornehmer Gebäude. Wo sich so was abgespielt hätte haben können, wie Maria Pia sich das so fein ausgedacht hat.
Herzliche Grüße : Edzard
Auf der Titelseite ist ein Entwurf zu dem Schildhorn-Denkmal wieder gegeben, der von dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. stammt.
Wenn Sie die ganze "Grunewaldgeschiche"
und das Texfragment: "Die schwarze Gräfin",
lesen wollen, sende ich Sie Ihnen gerne als PDF Datei zu.
Sende Sie mir eine Mail unter dem Stichwort: Grunewald an: